Schloss Heiligenhoven

Am Westrand von Lindlar liegt das mehrere Jahrhunderte alte Schloß Heiligenhoven des ehemaligen Rittersitzes Heiligenhoven, eines der drei Herrenhäuser Ober-, Mittel- und Unter- Heiligenhoven. Erste urkundliche Erwähnung derer von Heiligenhoven wurde bisher in einer Urkunde vom 21. März 1363 im Archiv des ehemaligen Klosters Drolshagen gefunden, in der "Gretin van heiligen hove" als Jungfrau des Klosters Drolshagen genannt wird.

Die ersten Nachweise über die Besitz- und Eigentumsverhältnisse des historischen Gebäudes ergibt eine umfangreiche Urkunde vom 5. Februar 1425 aus dem Stadtarchiv Köln, in der Johann van Eyckelinckhoyven, genannt de Wrede, Rittmeister und gewesener Söldner der Stadt Köln sein Haus und Schloß Heiligenhoven zum Offenhaus dieser Stadt erklärt.

Nach einem Erbteilungsvertrag vom 19. Oktober 1461 der Erben erwirbt das Gut Hilligenhoven (Ober-Heiligenhoven) Ailff von Eycke-lynckhoyven, genannt de Wrede. Erst im Jahre 1573 erwarben die Eheleute Wilhelm von Steinrod und Agnes von Ley Ober-Heiligenhoven im Tauschwege von den Eheleuten Gerhard von Rheindorff und Leuffgen von Quad. Die Familie von Steinrod war zu dieser Zeit schon im Amt Steinbach wohnhaft. Wilhelm von Steinrod war sogar Schultheiß im Amt Steinbach zu Steinbach.

Bis zum Jahre 1663 blieb die Familie von Steinrod im Besitz von Ober-Heiligenhoven. Adam Adolf von Steinrod, Kanonikus an St. Andreas in Köln, war der letzte Besitzer aus dieser Familie. Er übertrug durch Schenkung unter Lebenden am 2. Juni 1663 Ober- Heiligenhoven mit anderen auswärtigen Gütern an seinen Vetter Johann Adolf Schenck von Niddegen. Adam Adolf von Steinrod ist in Lindlar am 4. Juli 1666 an der Pest gestorben.

Noch im gleichen Jahre erwarben die Eheleute Johann Adolf Schenck von Niddegen und Katharina Barbara von Schommartz von dem St. Severin-Stift in Köln auch den Fronhof in Lindlar mit allen Rechten und Gerechtigkeiten. Im Zuge der familiären Erbteilung erwarb schließlich die Enkeltochter Maria Balduina Schenck von Nideggen, Freifrau von Gaugreben, das Eigentum an dem Gut und an der Burg. Am 7. März 1743 veräußerte sie den gesamten Besitz an den Freiherrn Johann Friedrich Jos. Ant. von Pfeill, genannt Scharfenstein zu Bell-Benesis.

Dessen Sohn Friedrich Ferdinand von Pfeill, der das Anwesen geerbt hatte, verkaufte Ober- Heiligenhoven mit den dazugehörigen Gütern schon am 19. November 1748 an den Johann Joseph Reichsritter von Brück, Pfälzischer Hofrat und Schultheiß des Amtes Steinbach, und dessen Ehefrau Sophie Franziska de Daniels. Nur wenige Jahre nach der Gutsübernahme ließ der neue Besitzer das alte Haus abbrechen und an der gleichen Stelle ein vollständig neues Herrenhaus errichten. Von Brück, der oft als ehrgeizig bezeichnet wurde, erwarb im Jahre 1767 von Anton Joseph von Waldenburg, genannt Schenkern, Mittel- Heiligenhoven und kurze Zeit später auch Unter- Heiligenhoven, so daß er nunmehr Eigentümer der drei Güter Ober-, Mittel- und Unter-Heiligenhoven war.

Durch diese Ankäufe und die vielen Gerichtsprozesse, die er in seiner Streitsucht auch mit dem Lindlarer Pastor Maximilian Rudolph Benedikt Potthof geführt und verloren hat, geriet er in große Zahlungsschwierigkeiten. Nach seinem Tode am 27. April 1784 mußte daher sein einziger Sohn und Erbe Joseph von Brück den Konkurs anmelden, und nach Abwicklung des Verfahrens den gesamten Grundbesitz durch notariellen Akt vom 28. des Brachmonates (Juni) 1791 an Friedrich Leopold Reichsfreiherrn von Fürstenberg-Herdringen abtreten. Dieser vererbte die Güter auf seinen Sohn Theodor Reichsfreiherrn von Fürstenberg, der im Jahre 1825 das Schloßgebäude um ein zweites Obergeschoß mit einem gotischen Zinnenkranz und Ecktürmen aufstockte.

Nach dessen Tode am 8. Oktober 1880 ging das Eigentum auf seinen einzigen Sohn über, den Kgl. Kammerherrn und Landrat Egon Reichsfreiherrn von Fürstenberg, der seine Amtsräume als Landrat des Kreises Wipperfürth in die erweiterten Räume der Vorburg verlegte. Er starb am 28. März 1888 und bestimmte testamentarisch seinen Bruder Friedrich Reichsfreiherrn von Fürstenberg als seinen einzigen Erben. Dieser ist am 14. November 1925 verstorben und hinterließ aus seiner Ehe mit Wanda geb. Freiin von Szezytnicka drei Kinder als Erben: Egon, Max und Thea von Fürstenberg. Egon von Fürstenberg ist im 1. Weltkrieg als Leutnant am 3. Dezember 1914 in Polen gefallen. Im Herrenhaus wohnte nach 1925 nur die Tochter Fernandine Theresia Freiin von Fürstenberg, die am 24. April 1889 geboren war. Bedingt durch die allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse war sie nach der Erbauseinandersetzung mit ihrem Bruder Max gezwungen, zunächst mehrere Einzelgrundstücke aus demehemaligen Rittergut an Privatpersonen, insbesondere an die angrenzenden Landwirte zu verkaufen.

Im Jahre 1928 ging aber ein 1800 Morgen großer Grundbesitz - im südlichen Bereich gelegen - über die Kreissparkasse Wipperfürth an den Kreis Wipperfürth, der im Rahmen von Notstandsarbeiten zur Minderung der allgemeinen Arbeitslosigkeit die zusammenhängenden Waldgebiete roden ließ. Auf diesem Rodegelände entstanden landwirtschaftlich genutzte Höfe, die nach den alten Flurbezeichnungen ihren Namen erhielten: Eibachhof, Krähenhof, Tannenhof, Wiedfeld, Nußbüchel, Dutztal, Im alten Hau, Kesselberg und Weiersbachhof. Im Jahre 1932 wurde zunächst die Kreissparkasse Wipperfürth, dann aber anschließend der Kreis Wipperfürth Eigentümer des Schlosses Heiligenhoven mit Park und anschließendem Waldbestand (Steimelskopf).


Umweit des Schlosses präsentiert sich auch das ökologische Freichlichtmuseum des Landschaftsverbandes Rheinland, wo auf 25 ha die Welt der bergischen Landbevölkerung des 19. und 20. Jahrhunderts und ihr Leben in und mit der Natur gezeigt wird.

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Heiligenhoven 1
51789 Lindlar-Heiligenhoven

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Lindlar Touristik

Am Marktplatz 1
51789 Lindlar
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(Bilder: Brigitte Heck, Lindlar)